Slowenien 2011: DNF – Abbruch aufgrund akuter Bronchitis

Eigentlich sollte meine Premiere beim Race Around Slovenia an meine letztjährigen Leistungen anknüpfen und meinen Namen in der Ultraszene festigen. Leider hat mir meine gesundheitliche Verfassung einen Strich durch die Rechnung gemacht, so dass ich nach 883 km, auf Position 4 liegend, aussteigen musste. Damit habe ich erstmals ein DNF (did not finish) als Resultat stehen. Die Ursache dafür lag in einer akuten Bronchitis, welche mir schlussendlich den Knockout verpasste.

Dabei gestaltete sich der Beginn des Rennens für mich annähernd planmäßig:
Um 19:51 Uhr fiel mein Startschuss zum dem Rennen, auf welches ich die letzten Monate hingearbeitet habe. Vom Start weg wurde jeder Fahrer mit einer Polizeieskorte aus Postojna geleitet: Profi-Feeling pur! Eine derart super Stimmung am Streckenrad habe ich bisher bei keinem anderen Ultra-Rennen erlebt: Zu jeder Tages- und Nachtzeit; in Städten, Dörfern und den entlegensten Stellen war das radbegeisterte Slowenien auf den Beinen, um uns „Helden“ zuzujubeln.
Besonders jetzt, zu Beginn des Rennens, war es wichtig, sich nicht zu sehr mitreißen zu lassen, um den eigenen Motor nicht zu überdrehen. Dazu hielt ich mich streng an meinen eigenen Watt-Vorgaben, wobei ich mich besonders am Berg zurückhielt.
Nur sehr langsam tauchten in der Ferne die Lichter von Mitbewerbern auf, was auf ein hohes Anfangstempo aller Teilnehmer schließen lies. Nach und nach konnte ich mich um die eine und andere Position vorarbeiten. Allerdings musste ich aufgrund von Navigationsfehlern einige Extra-Kilometer ableisten, dessen längster Umweg 10 km betrug. So ist es gekommen, dass ich mich als 26. Starter auf Position 30 wieder gefunden habe. Aufgrund dieser Fehler hatte ich u.a. das Vergnügen den Slowenen Usos Komac gleich viermal zu überholen. Um verlorene Zeit wieder gut zu machen hieß es jede Pausen auf ein Minimum zu reduzieren. D.h. rote Ampeln wurden dazu genutzt Bekleidung zu wechseln, Körperpflege zu betreiben oder sogar zum Pinkeln.

Mit zunehmender Renndauer fühle ich mich immer wohler. Mein „Diesel“ lief rund und ich genoss die herrliche Landschaft Sloweniens. Es schien alles zu passen. Das ging soweit, dass genau dann ein (sauberes) Dixi am Wegesrand stand, als ich ein großes Geschäft zu erledigen hatte. Die Anfeuerungen durch Freunde (mittels SMS-Durchsagen), welche das Rennen live mitverfolgten, taten ihr übriges. (Hier besonderen Dank an Bernhard, Frank und Jens.)

Nach ungefähr 400 km habe ich mich in den Positionskämpfe um die vorderen TOP10 wieder gefunden. Eindrucksvoll ist mir der starke Jungösterreicher David Misch in Erinnerung geblieben. Dieser ist immer dann, wenn es bergiger wurde an mir vorbeigezogen, währen ich meine Stärke in der Ebene ausspielen konnte.
Auffällig war, dass je weiter ich mich in den vorderen Rängen positionieren konnte, die „Aufpasser“ immer aufmerksamer wurden. Wie konnte es auch sein, dass das deutsche Noname die eigenen Landsleute derart abhängt? Diesem Umstand habe ich es zu verdanken, dass ich eine 15-minütige Zeitstrafe erhielt, als mein Begleitfahrzeug bei orange über die Ampel fuhr – anyway.
Im weiteren Verlauf konnte ich bei Timestation 5 den österreichischen Profi Edi Fuchs und in der 7. Etappe den Slowenen Erik Rosenstein überholen. Damit habe ich mich auf Position 4 wieder gefunden und die eigene Motivation erreichte die obere Punkteskala.

Nach ca. 700 km begann allerdings die Misere ihren Lauf zu nehmen. Immer schwieriger ist mir das Atmen gefallen und Husten quälte mich. Ich konnte die Aeroposition nicht mehr einnehmen, da dies meine Brust zu sehr einengte. Instinktiv habe ich Geschwindigkeit herausgenommen, um mich erholen zu können. Meine Lunge sollte die Möglichkeit zum Abhusten des fest sitzenden Schleimes bekommen. Diese aktive Regeneration hatte die Situation zwischenzeitlich wieder gebessert, so dass ich neuen Mut schöpfen konnte. Dann ging es allerdings ab Timestation 8 (km 858) rasant abwärts. Zu den Atemproblemen gesellte sich jetzt Durchfall und ich konnte keine feste Nahrung mehr zu mir nehmen. Kurzum: mein Körper entzog sich meinem Willen. Durch den ersten größeren Anstieg in der 9. Etappe, welcher gerade einmal 300 Höhenmeter besaß, hatte meine Lunge komplett dicht gemacht. Dadurch entschloss ich mich auf der Anhöhe eine längere Pause einzulegen, in der Hoffnung, dass sich mein Gesundheitszustand wieder bessert. Leider blieb die erhoffte Erholung jedoch aus. Die Atemfrequenz in Ruhe hat sich nicht von der am Berg unterschieden. Eine Besserung war in absehbarer Zeit nicht in Sicht. Somit habe ich mich in der 2. Nacht, morgens um 4 Uhr, dazu durchgerungen aus dem Rennen auszusteigen. Nach meinem Körpergefühl hätte ich die verbleibenden 256 km nicht ohne gesundheitlichen Schaden überstehen können. Diese Entscheidung ist mir alles andere als leicht gefallen, da ich mir eine erhebliche persönliche Niederlage eingestehen musste. Angesichts der Tatsache, welche Zeit und Mühen ich in diese Rennvorbereitung gesteckt habe, ist meine Enttäuschung entsprechend hoch ausgefallen.

Die anschießenden ärztlichen Untersuchungen haben u.a. ergeben, dass ich bereits mit einem Infekt an den Start gegangen bin und es fast an ein Wunder grenzt, eine derartige körperliche Leistung vollbracht zu haben. Ich werde in den kommenden Wochen noch ein paar Gesundheitschecks durchführen lassen, um nach ausführlicher Regeneration wieder in das Geschehen der Ultraszene einzugreifen!

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